Dantons Tod - Georg B├╝chner


In nur wenigen Jahren hat B├╝chner ein Werk von Weltrang geschaffen. >>Dantons Tod<< sprengt alle Regeln der klassischen B├╝hnenkunst und geh├Ârt gerade deshalb zu den bedeutendsten Dramen des 19. Jahrhunderts. Ein Revolutionsst├╝ck von Kraft, Klarheit und Modernit├Ąt, das auch heute noch niemanden unber├╝hrt l├Ąsst. Auf dieser Seite m├Âchte ich einen ├ťberblick ├╝ber das Buch, den Autor und den geschichtlichen Hintergrund geben.
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1. Der Autor Georg B├╝chner


Georg B├╝chner wurde am 17.Okt.1813 in Goddelau bei Darmstadt geboren. Er stammte aus einer Medizinerfamilie mit f├╝nf Geschwistern. In den zehn Jahren am Darmst├Ądter Gymnasium wurde sein revolution├Ąrer Geist durch bestimmte politische Ereignisse, vor allem die Julirevolution in Frankreich 1830, besonders gepr├Ągt. Nach der Schule entschied er sich f├╝r ein Medizinstudium in Stra├čburg, welches er jedoch, als hessischer Untertan, nach vier Jahren in Gie├čen fortsetzen musste. Inzwischen hatte er sich in Stra├čburg verliebt und dann 1832 heimlich verlobt. Dann st├╝rzten ihn die Trennung von seiner Braut, eine Hirnhautentz├╝ndung, die Unsicherheit ├╝ber die eingeschlagene Berufslaufbahn und das Mitleiden wegen der politischen Zust├Ąnde jener Zeit in eine schwere depressive Seelenkrise.
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Sein Interesse f├╝r die revolution├Ąre Praxis nimmt stetig zu. Zusammen mit dem Theologe Friedrich Ludwig Weidig will er eine agitatorische Flugschrift >>Der hessische Landbote<< unters Volk bringen und muss deswegen nach Stra├čburg fliehen. Inzwischen hatte er schon mit der Arbeit an >>Dantons Tod<< begonnen. Am 13.Juni 1835 taucht erstmals sein Name in einem Druckwerk auf, n├Ąmlich in einem Steckbrief im Zusammenhang mit der erw├Ąhnten Flugschrift. Von Stra├čburg begibt er sich dann nach Z├╝rich, wo er im November 1836 Vorlesungen ├╝ber vergleichende Anatomie h├Ąlt. Mit 24 Jahren stirbt er am 19.Februar 1837 an Typhus.Er hinterl├Ąsst ein literarisches Erbe von erstaunlicher Modernit├Ąt und faszinierender Sprachgewalt.

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2. Das Buch >>Dantons Tod<<


Die Handlung in K├╝rze:
Es ist M├Ąrz 1794 . Die franz├Âsische Revolution ist an ihrem blutigen H├Âhepunkt angelangt. Sollen der Terror weiter w├╝ten, damit alle Feinde der Revolution vernichtet werden, so wie es der radikale Robespierre fordert? Oder soll man einen gem├Ą├čigten Kurs einschlagen, so wie Danton es sich vorstellt? Diese Fragen f├╝hren zu Konfrontationen zwischen den beiden Revolutionspolitikern.W├Ąhrend Danton in politischer Hinsicht eigent├╝mlich passiv bleibt und sich im Lauf der Geschichte treiben l├Ąsst, steht f├╝r den kalten Tugendmenschen Robespierre fest, dass sein Gegner Danton verhaftet und ausgeschaltet werden m├╝sse. Danton macht es ihm nicht schwer, da seine Aufmerksamkeit eher den sch├Ânen Dingen des Lebens gilt als der politischen Aktion. Durch Dantons Spekulationen ├╝ber die Welt und den Tod wird deutlich, dass ihm gar nichts am Leben liegt und er sich eher das Ende herbeisehnt.
Da Danton jedoch nicht erkennt, was seine Gegner vorhaben und er nichts von deren Plan ├╝ber seine Verhaftung wei├č, entschlie├čt er sich, nicht aus Paris zu fliehen. Erst bei seiner Gerichtsverhandlung gelingt es ihm durch seine brillante Redekunst, die Massen auf seine Seite zu ziehen. Doch das war vergeblich, denn seine Feinde manipulieren den Ausgang des Prozesses. Am Ende wird Danton als korrupter Freund der K├Ânigstreuen denunziert und zum Tode verurteilt. Zusammen mit seinen Anh├Ąngern f├╝hrt man ihn zur Hinrichtung. Auch die Frauen der Revolutionsf├╝hrer fallen den politischen Intrigen zum Opfer. Julie, die Gattin Dantons, vergiftet sich vor dem Tod ihres Mannes. Lucile, die Frau von Desmoulins, wird wahnsinnig und erzwingt ihre Verhaftung, indem sie auf dem Revolutionsplatz lauthals den K├Ânig hochleben l├Ąsst.


Sprachliche Form:
  • Umfangreiche Reden repr├Ąsentieren den Kampf auf der politischen B├╝hne; sie geben einen Einblick in die demagogischen (aufhetzerischen) Strategien der ├ťberzeugung.
  • Buechner schreckt nicht vor ungeschminkter Sprache zur├╝ck, welche die Sexualit├Ąt nicht schamhaft verh├╝llt.
  • Er nennt das H├Ąssliche und Absto├čende beim Namen. ...
  • ...und greift gelegentlich auch auf das Vokabular der Medizin zur├╝ck.
  • Es gibt in dem Drama viele Zitate, welche z.T. auch aus historischen Quellen stammen.
  • Durch Anspielungen aus der klassischen Mythologie und antiken Geschichte dokumentieren die Dramenfiguren ihren Bildungsgrad
  • Es ist ein offenes Drama, wobei der Handlungsfluss durch Lieder unterbrochen ist(vom Spottlied bis zum Kirchenlied).

Sprachbeispiel:



Literarische Gattung:
Offenes Drama:
  • "Dantons Tod" ist eine Form von klassischem Drama
  • Die Vorg├Ąnge erstrecken sich fast ├╝ber zwei Wochen, sprengen also die Einheit der Zeit
  • Die Handlung ist in Szenen aufgesplittert, die z.T. sprunghaft aneinandergereiht sind, wodurch diese "filmische Pr├Ąsentation" den chaotisch verlaufenden Ereignissen gerecht wird: steter Schauplatzwechsel -> also keine Einheit des Ortes
  • Die Einheit der Handlung wird aufgel├Âst: Das Geschehen ist nicht allein auf das Ende Dantons gerichtet, sondern vermittelt, z.T. in komischen Volksszenen, ein lebendiges Bild der Revolution

Akt I
Der Gegensatz Danton - Robespierre
Akt II
Dantons Verhaftung
Akt III
Dantons Verurteilung
Akt VI
Dantons Hinrichtung
I/1 Kritik am Verlauf der Revolution durch einzelne Deputierte.
I/3 Polemik gegen H├ęrbertisten und Dantonisten im Jakobi-nerklub.
I/5 Danton erf├Ąhrt von Robespierres Rede im Jakobinerclub
I/6 Konfrontation Danton ÔÇô Robespierre.
II/1 Dantons Zuversicht, seine Feinde w├╝rden seine Verhaftung nicht wagen.
II/6 B├╝rgersoldaten dringen in Dantons Haus ein.
II/7 Im Konvent wird diskutiert, was man mit dem verhafteten Danton machen soll.
III/2 Dantons Feinde wollen den Prozess zu seinen Ungunsten manipulieren.
III/5,6,8 Dillons Verschw├Ârung wird gegen Danton benutzt.
III/10 Das Volk stellt sich gegen Danton
IV/7 Danton auf der Guillotine

Historisches Drama:
  • Die franz├Âsische Revolution bildet den Hintergrund des Dramas.
  • Nachdenken ├╝ber das Verh├Ąltnis zwischen Mensch und Geschichte
  • B├╝chner strebt sehr nach Realismus: So schreibt er in einem Brief an seine Familie: "Wenn man mir ├╝brigens noch sagen wollte, der Dichter m├╝sse die Welt nicht zeigen, wie sie ist, sondern wie sie sein sollte, so antworte ich, dass ich es nicht besser machen will als der liebe Gott, der die Welt gewiss gemacht hat, wie sie sein soll."


3. Der geschichtliche Hintergrund:


Wer war Georges-Jacques Danton
Danton (1759-1794) war Vork├Ąmpfer der Revolution und Mitbegr├╝nder des Wohlfahrtsausschusses, einem Ausschuss des fr. Nationalkonvents unter der Leitung von Robespierre, und das wichtigste Organ der jakobinischen Schreckensherrschaft, Danton widersetzte sich der Radikalit├Ąt Robespierres und wollte die Zentralisierung der Regierungsgewalt. Er bem├╝hte sich um Frieden und das Abtreten der Revolutionsregierung. Er vertrat insgesamt eine Politik der M├Ą├čigung. Verhaftet wurde Danton am 31.M├Ąrz und guillotiniert am 5. April 1794.
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Franz├Âsische Revolution:
W├Ąhrend der franz. Revolution (1789-1799) fand eine politische und gesellschaftliche Umw├Ąlzung Frankreichs statt. Ursachen waren u.a. die Staats- und Finanzkrise des Ancien r├ęgime, die Unzufriedenheit der Bev├Âlkerung mit dem Adel sowie der Anspruch des B├╝rgertums auf die politische F├╝hrungsrolle. Die revolution├Ąren Losungen hie├čen Freiheit, Gleichheit, Br├╝derlichkeit (Libert├ę, ├ëgalit├ę, Fraternit├ę). Nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 erlie├č der Nationalkonvent 1791 die auf dem Prinzip der Gewaltenteilung bestehende Verfassung. Der sp├Ątere Verlauf der Revolution ist gekennzeichnet vom innerparteilichen Konflikt in der herrschenden republikanischen Partei, der erstmals mit der Hinrichtung des K├Ânigs 1793 ausbrach. Die Girondisten standen den Jakobinern gegen├╝ber, die sich unter Robespierre 1793 durchsetzen konnten und die Diktatur des Wohlfahrtsausschusses einrichteten. Ein entscheidender Sieg ├╝ber die antifranz├Âsische Koalition (Koalitionskriege gegen, z.B. Russland und England) leitete 1794 den Sturz der Terrorherrschaft ein, die mit der Hinrichtung Robespierre endete.

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Epoche:


Vorm├Ąrz ist die Epochenbezeichnung f├╝r den Zeitraum zwischen 1815 und 1848. Die Literatur des Vorm├Ąrz wird unterteilt in Junges Deutschland und den eigentlichen Vorm├Ąrz.
Die Bezeichnung Junges Deutschland wurde zuerst 1834 in Ludolf Wienbargs Ästhetischen Feldzügen verwendet. Es verband die Ablehnung der Restauration und des Adels und das Einsetzen für Presse- und Meinungsfreiheit.
Die literarische Str├Âmung des eigentlichen Vorm├Ąrz setzte 1840 ein und endete 1848 mit der gescheiterten M├Ąrzrevolution.
1815 wurde der Wiener Kongress eingeleitet, bei dem die Neuordnung Europas geregelt wurde. Die Zeit zwischen 1815 und 1848 war gepr├Ągt von dem Interessenskonflikt zwischen den deutschen F├╝rsten, welche sich f├╝r eine Restauration einsetzten, und den "Jungem Deutschland" (Studenten und Professoren), das nach Freiheit und einer politischen Einheit strebte. 1815 kam es zur Gr├╝ndung des Deutschen Bundes zwischen 39 Einzelstaaten. Es kam au├čerdem zur Gr├╝ndung von Burschenschaften, zuerst in Jena, sp├Ąter auch in anderen deutschen St├Ądten. 1819 wurden die Karlsbader Beschl├╝sse gefasst, welche die Burschenschaften verboten, die ├ťberwachung von Universit├Ąten einleiteten, eine Buch- und Pressezensur einf├╝hrten und den Einsatz von Spitzeln erlaubten. 1834 kam es zur Gr├╝ndung des Deutschen Zollvereins, der die innerdeutschen Zollschranken beseitigte und somit eine wirtschaftliche Einheit herstellte. Die Entt├Ąuschung ├╝ber die unerf├╝llten Hoffnungen des "Jungen Deutschlands" und das Festhalten an der alten Ordnung deutscher F├╝rsten f├╝hrte 1848 schlie├člich zur M├Ąrzrevolution.




Zusammenfassende Betrachtung

B├╝chner f├╝hrt uns anhand einer eigentlich nicht sehr bedeutsamen geschichtlichen Episode, n├Ąmlich das Leben und den Tod des Politikers Danton vor dem Hintergrund der fr. Revolution, in die Irrungen und Wirrungen jener Zeit. Letztlich wird das eigentliche Thema des Buches von Danton selbst mit dem Satz wiedergegeben: "Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder." Wie das geschieht und wie Danton selbst der Revolution zum Opfer f├Ąllt, wird von B├╝chner in einem sehr deprimierenden Bild der damaligen Welt und der handelnden Personen gezeichnet. Er beschreibt Menschen, die keinen Einfluss auf das Schicksal nehmen k├Ânnen, sondern trotz guten Willens, etwas zum Positiven zu ver├Ąndern, dem Kalk├╝l und den Intrigen der jeweils herrschenden Kr├Ąfte letztlich hilflos ausgeliefert sind. Die handelnden Personen finden keine Erl├Âsung durch den Tod und haben keine Hoffnung auf Zuflucht bei einenm tr├Âstenden Gott. >>Dantons Tod<< ist ein Werk der Literatur, das dem Leser keine Antworten auf die existentiellen Fragen des Lebens gibt, sondern ihn voller Verunsicherung zur├╝ckl├Ąsst. Vor allem das Ende des Buches hat mir nicht gefallen: Danton zum Henker: "Willst Du verhindern, dass sich unsere K├Âpfe auf dem Boden des Korbes k├╝ssen?" Was ein sinnloses Ende f├╝r ein aufrechten Mann, der immer nur versucht hat, die Revolution in gem├Ą├čigte Bahnen zu lenken und dem Volk zu helfen. Ich fand diesen Schluss furchtbar. Und dann vergiftet sich auch noch Julie. Wegen dieser pessimistischen, deprimierenden Grundeinstellung w├╝rde ich niemandem empfehlen, das Buch ├╝ber das Drama eines gescheiterten Revolution├Ąrs zu lesen, es sei denn, er m├Âchte einen besseren Einblick in die politische Situation der fr. Revolution bekommen. Daf├╝r ist es nat├╝rlich sehr gut geeignet.


Ein Bild aus der r├Âmischen Mythologie: Saturn verschlingt einen seiner S├Âhne.

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Merkmale des Dramas der offenen Form
Bauform
  • Die Einheit der Handlung ist aufgel├Âst.
  • Die Situationsdarstellung hat Vorrang vor der Handlungsentwicklung.
  • Episodenhaftigkeit bestimmt die Form.
  • Einzelszenen bilden die Grundeinheit.
Zeit
  • Die Einheit der Zeit ist aufgel├Âst.
  • Das Drama kann einen weiten Zeitraum umfassen, dabei bildet es die Zeit nicht kontinuierlich ab. Vielmehr bietet es Momentaufnahmen.
Raum
  • Die Einheit des Ortes ist aufgel├Âst.
  • Der h├Ąufig wechselnde Raum charakterisiert die Personen, die in ihm handeln
Personen
  • Der Held ist ein einmalig-individueller Charakter
  • Er ist widerspruchsvoll und nicht typisiert, er besitzt keinen Gegenspieler.
  • Nicht die Berufung auf ein h├Âheres Prinzip (ideal) bestimmt sein Handeln, sondern psychologische und soziologische Faktoren.
Sprache
  • Sie markiert in Syntax, Wortwahl und Sprachebene die soziale Position und die seelische Verfassung der einzelnen Person.
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Quellen:
  • 2006 mentor Verlag, Lekt├╝re Durchblick "Dantons Tod", Georg B├╝chner
  • 2009 STARK Verlag, Interpretationshilfe Deutsch "Dantons Tod", Georg B├╝chner