Hyperion oder Der Eremit in Griechenland
Nicolas Höper

Hyperion

Einleitung
Der Hyperion oder Der Eremit in Griechenland, verfasst von Friedrich Hölderlin, ist ein Roman. Genaugenommen handelt es sich um einen lyrischen Briefroman. Die Erstausgabe erschien 1797 und 1799 in verĂ€nderter Auflage. Insgesamt zwei BĂŒcher findet man in diesem Roman die vom Sprachstil her beide gleich aufgebaut sind.
Der Roman ist ein Selbstbekenntnis, das trotz mancher jugendlich-schwĂ€rmerischen ZĂŒge Hölderlins Lebensschau und Seelentum vergegenwĂ€rtigt. Die Natur, die in den Schlussbriefen hymnisch gefeiert wird, wird verehrt als der gotterfĂŒllte Raum. In der Schilderung Griechenlands durchdringen sich Vergangenheit und Zukunft, Traum und Verheißung.
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Bildquelle:http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Hoelderlin_1792.jpg&filetimestamp=20090414214835
Biographie

Friedrich Hölderlin wurde 1770als Sohn des Klosterhofmeisters Heinrich Friedrich Hölderlin und der Johanna Christiane, geb. Heyn geboren. Als er zwei Jahre alt war starb sein Vater. Auf Wunsch der Mutter, sollte er Pastor werden. Deshalb besuchte Hölderlin die Latein- und Klosterschulen in NĂŒrtingen, Denkendorf und Maulbronn.
Bis 1793 studierte er am TĂŒbinger Stift. Dort begegnete er Hegel und Schelling, die sich alle drei gegenseitig beeinflussten. Wegen mangelnder finanzieller Mittel musste er das Studium abbrechen. Ab 1794 war er Hauslehrer bei Charlotte von Kalb in Waltershausen in Unterfranken. Wegen des VerhĂ€ltnisses zu der Gesellschafterin Charlottes, Wilhelmine Kirms, musste er die Stellung aufgeben. Mit Charlotte bekam er eine Tocter. Sie hieß Louise Agnese.
1797 studiert er Theologie an der Jenaer UniversitÀt. In Jena begegnete er imselben Jahr
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Johann Wolfgang von Goethe. Der schreibt: "Gestern ist auch Hölterlein bei mir gewesen, er sieht etwas gedrĂŒckt und krĂ€nklich aus, aber er ist wirklich liebenswĂŒrdig und mit Bescheidenheit, ja mit Ängstlichkeit offen... Ich habe ihm besonders geraten, kleine Gedichte zu machen und sich zu jedem einen menschlich interessanten Gegenstand zu wĂ€hlen."
Bis 1798 hatte er eine Stellung als Hauslehrer bei dem Bankier J. Fr. Gontard in Frankfurt. Unsterbliche Liebe zur Hausherrin Susette Gontard (sie wird die Diotima in seinem Briefroman "Hyperion"). Nachdem die - vermutlich platonische - Liebe bekannt wird muß Hölderlin das Haus verlassen. Von 1798 bis 1800 lebt er bei Isaac von Sinclair in Homburg v.d.H. (Tauus). Hier entsteht "Der Tod des Empedokles". Er ist wieder auf materielle UnterstĂŒtzung seiner Mutter angewiesen.
1802 stirbt Susette Gontard im Alter von 34 Jahren. In diesem Jahr steigern sich die seelische Leiden (Hypochondrie) von Hölderlin zu einer ernsten Krankheit - die ersten Anzeichen einer geistigen Umnachtung zeigen sich. Bis 1804 wird er von seiner Mutter gepflegt.
1806 flackert die Krankheit neu auf, er wird in die Heilanstalt in TĂŒbingen eingeliefert. ZerĂŒttet von Wahnvorstellung braucht er ab 1807 stĂ€ndige Pflege: er ist erst 37 Jahre alt, und wird die folgenden 36 Jahre bis zu seinem Tod aufopferungsvoll von der Familie des Tischlers Ernst Zimmer (einem Bewunderer) in TĂŒbingen gepflegt. Ab 1808 geistige Umnachtung. Durch seine Hypochondrie hĂ€lt er sich stĂ€ndig fĂŒr krank, obwohl er eigentlich körperlich gesund ist. Er wohnt in einer Turmstube die heute als "Hölderlinturm" bekannt ist.
Am 7. Juni 1843 stirbt Friedrich Hölderlin im Alter von 73 Jahren in TĂŒbingen.

Quelle: http://www.sternenfall.de/H0366lderlin.html
Andere Werke Hölderlins
1791
Erste Gedichte werden in Gotthold Friedrich StĂ€udlins Musenalmanach fĂŒrs Jahr 1792 veröffentlicht
1797–1800
Der Tod des Empedokles (Fragmente, zu Lebzeiten unveröffentlicht)
1797–1799
Hyperion oder Der Eremit in Griechenland
1804
Trauerspiele des Sophokles (Sophokles – Übertragung)
1826
Gedichte von Friedrich Hölderlin (hrsg. von Ludwig Uhland und Gustav Schwab)
Hölderlin-Herausgeber Norbert von Hellingrath
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Quelle: http://wikipedia.de

Zitate ĂŒber Hölderlin
Gestern ist auch Hölterlein bei mir gewesen, er sieht etwas gedrĂŒckt und krĂ€nklich aus, aber er ist wirklich liebenswĂŒrdig und mit Bescheidenheit, ja mit Ängstlichkeit offen... Ich habe ihm besonders geraten, kleine Gedichte zu machen und sich zu jedem einen menschlich interessanten Gegenstand zu wĂ€hlen.
Johann Wolfgang von Goethe
Gewiß ist mir auch bei diesem Hölderlin, als mĂŒsse eine göttliche Gewalt wie mit Fluten ihn ĂŒberströmt haben, und zwar die Sprache, in ĂŒbergewaltigem raschen Sturz seine Sinne ĂŒberflutend und diese damit ertrĂ€nkend; und als die Strömungen verlaufen sich hatten, da waren die Sinne geschwĂ€cht und die Gewalt des Geistes ĂŒberwĂ€ltigt und ertötet.
Bettina Brentano
Er war eine der unbewaffneten Seelen, er war der Werther Griechenlands, ein hoffnungslos Verliebter; es war ein Leben voller Weichheit und Sehnsucht, aber auch Kraft und Inhalt waren in seinem Willen und GrĂ¶ĂŸe, FĂŒlle und Leben in seinem Stil...
Friedrich Theodor Vischer
Weder Lavater noch Klopstock, noch irgendein Zeitgenosse Hölderlins kann als Funke seiner Flamme betrachtet werden; was ihn erleuchtet, kommt aus weiter Ferne.
Achim von Arnim
Der Hyperion verdient die Unsterblichkeit so gut als Werther und besser als die Messiade... Hyperion ist Ein Guß der grĂ¶ĂŸten, reinsten Seele. - O Gott - dieser Hyperion ist... fĂŒrchterlich schön.
Wilhelm Waiblinger
Er hat eine heftige SubjektivitĂ€t und verbindet damit einen gewissen philosophischen Geist und Tiefsinn ... Ich wĂŒrde ihn nicht aufgeben, wenn ich nur eine Möglichkeit wĂŒĂŸte, ihn aus seiner eigenen Gesellschaft zu bringen und einem wohltĂ€tigen und fortdauernden Einfluß von außen zu öffnen.
Friedrich Schiller

Quelle: http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.onlinekunst.de/maerz/Holderl_rosa_Portrait.jpg&imgrefurl=http://www.onlinekunst.de/maerz/20_03_Biographie.htm&usg=__tcYUvNyeoO_g_JFWSvK1YHjDWhA=&h=305&w=199&sz=7&hl=de&start=1&zoom=1&itbs=1&tbnid=W08YqSlnJ9FMUM:&tbnh=116&tbnw=76&prev=/search%3Fq%3Dfriedrich%2Bh%25C3%25B6lderlin%2Bfamilie%26hl%3Dde%26biw%3D1440%26bih%3D648%26gbv%3D2%26tbm%3Disch&ei=Vs-9TYCPLcSLswaJnJWVBg


Inhaltsangabe
ERSTER BAND: Erstes Buch
Hyperion, gerade erst nach Griechenland ("Vaterland") zurĂŒckgekehrt, niedergeschlagen von enttĂ€uschten Hoffnungen und unglĂŒcklich ĂŒber den Zustnad seines Heimatlandes, schreibt an den Freund Bellarmin eine Serie von Briefen, in denen er sehr bewegt die Geschichte seines Lebens, seiner Hoffnungen und EnttĂ€uschungen schildert. Einzig die Idee einer allesumfassenden, alles zusammenfĂŒhrenden Natur richtet ihn noch auf, denn er hat sonst "nichts, wovon ich sagen möchte, es sei mein eigen."
Adamas, der Erzieher nimmt sich des Knaben an und formt ihn zum Menschen (Erziehungs-Philosophie Hölderlins), bevor der weiterzieht
Auf Ratschlag von Vater und Mutter zieht er nach Smyrna, wo er sich unter "gebildeten Menschen" weiter entwickeln soll. Die StĂ€dter erscheinem ihm aber geistlos und spießig, weil sie keinen Sinn fĂŒr das Hehre und Idealische des alten Griechenlandes haben.
Da trifft er den gleichermaßen begeisterungsfĂ€higen, und doch so verschiedenen (Ă€lteren) GefĂ€hrten Alabanda, mit dem ihn dasselbe Ideal verbindet: Die Rettung des Vaterlandes. Sie haben jedoch nicht dieselben Vorstellungen von der Rolle des Staates .Dies wird augenfĂ€llig, als drei GefĂ€hrten Alabandas auftauchen, entschlossene Krieger und Verschwörer, die darauf brennen, die Welt umzustĂŒrzen. Deren rein destruktive Zielsetzung entsetzt Hyperion und er fĂŒhlt sich von Alabanda hintergangen. Sie trennen sich anderntags im Streit ("GrillenfĂ€nger"), Hyperion reist niedergeschlagen nach Tina, seiner Heimat, zurĂŒck, wo er nun zurĂŒckgezogen und menschenscheu den Winter verbringt.
Im FrĂŒhling erwacht der Lebenswille erneut, doch Versuche der Kontaktaufnahme mit Alabanda scheitern.
"Was ist der Mensch?"
Zweites Buch
Mitten in einem finsteren Tag wird Hyperion von einem Bekannten nach Kalaurea eingeladen, wo ihm "das Göttliche" erscheint, das Eine und Alles, dessen Name Schönheit ist und - Diotima heißt.
In ihrer Gegenwart erlebt er höchstes GlĂŒck, den Himmel auf Erden, er, dessen GemĂŒt "voll wilder WidersprĂŒche, voll blutender Erinnerungen" und voll "wilder Trauer" ist.
In einem ihrer "SeelengesprĂ€che" ĂŒber Freundschaft und Liebe wird Diotima klar, woran Hyperion leidet:
Es ist dieses grenzenlose Verlangen nach "einer besseren Zeit", die rĂŒckhaltlose Hingabe an das Idealische, Vollkommene, folglich auch das tiefe Leiden an dem "Verlust von allen goldenen Jahrhunderten" - kurz: Der Abgrund zwischen Ideal und Wirklichkeit! Dieses VerstĂ€ndnis von Hyperions Leiden und Idealismus macht ihm Diotima zur Seelentrösterin, zur Seelenverwandten, zum Ein und Alles. Diotima, die in dieser Unbedingtheit verborgene Tragik ahnend, versucht Distanz zu halten.
Die nĂ€chsten Tage verbringt Hyperion schwankend zwischen Seligkeit und Schwermut, er muss mit Diotimas Abwesenheit, ihrem RĂŒckzug, fertig werden, es kommt zu keiner Begegnung unter vier Augen mehr, so sehr er sie sucht. Dann aber findet er sie endlich allein in einem abgelegenen WĂ€ldchen und siehe da, seine Liebe wird erwidert, seine Begeisterung von ihr geteilt (=gespiegelt), die Leidenschaft ĂŒberwĂ€ltigt beide.
Diotima ist sich des ĂŒbermaßes ihrer beider GefĂŒhle sehr wohl bewusst und bemĂŒht, eine Mitte zu finden, ein Gleichgewicht der Seele. In diesem BemĂŒhen ist sie fĂŒr Hyperion wie eine Pflegerin der ĂŒberspannten Seele, eine Erzieherin zum Gleichgewicht.

Mit Freunden beschließen sie eine Fahrt nach Athen, auf dem Weg dorthin wird die Frage debattiert, warum die alten Athener so trefflich sein konnten. Hyperion legt ausfĂŒhrlich seine Auffassung (Hölderlins Philosophie) dar. Die Trefflichkeit der alten Athener war Ergebnis von maßvollem Reifen, vom Finden der richtigen Mitte; diese Trefflichkeit manifestiert sich in der Harmonie von Geist und Schönheit, in der historischen Aufeinanderfolge von Kunst, Religion und Philosophie, gipfelnd in der Philosophie als dem Kult des Schönen Sie erreichen Athen und angesichts von dessen Ruinen gibt Diotima ihrem Geliebteneinen Senundgsauftrag: Er darf sich noch nicht als Angekommenen betrachten, er muss seinen großen Ideen und Idealen Taten folgen lassen: Gehe hinaus in die Welt, ins Ausland, bilde deinen Geist, damit du, wenn du zurĂŒckkehrst, selbst gereift sein wirst zum "Erzieher unsers Volkes". Denn das heutige Griechenland ist bedĂŒrftig, es ist der "Stoff", der noch gebildet, noch veredelt werden kann.


In den Herbsttagen erreicht Hyperion ein Brief Alabandas. Er habe sich von den falschen GefĂ€hrten getrennt, nun warte eine neue Aufgabe auf beide: Die Befreiung Griechenlandes aus der tĂŒrkischen Herrschaft, d.h. Krieg an der Seite Russlands (1770).
Diotima rĂ€t ab, dazu sei er nicht geboren, aber seine Begeisterung fĂŒr "die heilige theokratie des Schönen ... in einem Freistaat" ist nicht zu bremsen. Diotima verĂ€ndert sich von nun an "wunderbar", verliert ihre Kindlichkeit und wird "so erhaben und so leidend" - Der Abschied ist lang, feierlich, im Kreise der Freunde und von Diotimas Eltern.
Die nachfolgenden Ereignisse werden im Briefwechsel Hyperions mit Diotima wiedergegeben, bedeuten also einen Perspektivewechsel, die große Distanz des Eremiten ist aufgehoben: Geschildert wird die Reise zu Alabanda, die herzliche Wiederbegegnung mit dem Ă€lteren und zielstrebigeren Freunde, das Lobe des Kampfes fĂŒr das Vaterland, Diotimas Schwanken zwischen Trauer und VerstĂ€ndnis, der Beginn des Krieges, wie Hyperion seine Mannen um sich schart und begeistert, von Siegen in kleinen Gefechten, von der Belagerung des ehemaligen Spartas. Diotima berichtet ihrerseits von ihren Ă€ngsten und dem Schwinden ihrer Lebenslust.
Dann aber plĂŒndern und modern Hyperions Leute in der eroberten Stadt, Hyperion kann dies nicht verhindern:"es war ein außerordentliches Projekt, durch eine RĂ€uberbande mein Elysium zu pflanzen". Der Haufen löst sich auf, der Befreiungskrieg fĂŒr Hyperion gescheitert. Er will bei der russischen Flotte anheuern, sein Vater verstĂ¶ĂŸt ihn deshalb, er wartet auf einen Abschiedsbrief von Diotimia, dieser kommt nicht, so sucht er den Tod in der bevorstehenden Schlacht.
Zweites Buch
In der Seeschlacht (Russen - TĂŒrken) wird Hyperion lebensgefĂ€hrlich verletzt, das Schiff brennt ab, er wird aber gerettet und findet sich von Alabanda bewacht und gepflegt wieder. Alabanda erinnert ihn an Diotima, er will sofort schreiben, da erreicht ihn ein Brief von dieser selbst.
Ihre Briefe waren offenbar nicht angekommen, so dass sie meinen musste, er habe ihr entsagt. Ihre Vision vom Menschheitserzieher bliebe dann nur ein "Traum", sie nimmt Abschied und stimmt in die Trennung ein.
Sein Antwortschreiben schlĂ€gt vor, gemeinsam Griechenland zu verlassen und in den "Alpen oder PyrenĂ€en" ein "Leben in goldener MittelmĂ€ĂŸigkeit" zu beginnen.
Alabanda erklĂ€rt, dass er Hyperion nun verlassen mĂŒsse, denn mit ihm gehen könne er nicht und außerdem habe er eine Schuld abzutragen: Dem Verschwörerbund der Nemesis, dem er einst als heimatlos herumirrender junger Mann Gefolgschaft schwor und von dem er sich Hyperions wegen losgesagt hat, muss er sich jetzt stellen, was immer dies auch bedeute, möglicherweise den Tod. Auf das Fahrzeug nach Kalaurea wartend singt Hyperion sein "Schicksalslied", da erreicht ihn Diotimas letzter Brief: Ihr Schwanenlied, denn sie ist an Schwermut gestorben, nicht ohne ihm zuletzt noch ErfĂŒllung in "dichterischen Tagen" zu prophezeien. Ein Begleitschreiben des Freundes Notara aus Kalaurea schildertnoch Diotimas letzten Willen und rĂ€t Hyperion, nicht mehr zurĂŒckzukehren.
So irrt Hyperion rast- und ziellos und ohne Lebenssinn in der Welt herum, zuerst in Sizilien, wo er den Ă€tna besteigt und dem Schicksal Empedokles nachsinnt, dann gerĂ€t er "unter die Deutschen", wo er als Fremdling ankommt und als Fremder wieder geht, einzig in der Einsamkeit der Natur noch Trost findend, wo er sogar die Stimme Diotimas vernimmt, was ihn noch einmal zur Vision der alles vereinenden, aussöhnenden, zusammenfĂŒhrenden Kraft der Natur begeistert, womit sich auch am Ende der Anfang des Romans wiederfindet.

Quelle: http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/hoelder/hyperion.htm

Zeitepoche
Friedrich Hölderlin wurde in der Epoche Deutsche Klassik (1786–1805) geboren und schrieb auch in dieser Epoche dieses Buch. Die Epoche Nach seinem Tod war die Romantik (1793–1848).