Pascal Winten



Nathan der Weise


Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Gotthold Ephraim Lessing
    2.1 Biografie
    2.2 Persönlichkeit
  3. Nathan der Weise
    3.1 Handelnde Personen
    3.2 Schaubild der Personenkonstellation
    3.3 Inhaltsangabe
  4. Die Ringparabel
  5. Zeitgeschichtlicher Hintergrund
  6. Abschließende Stellungnahme

1. Einleitung


Bei dem von Gotthold Ephraim Lessing ersonnenen Buch "Nathan der Weise" handelt es sich um ein Ideendrama (1), welches überwiegend im Dialog geschrieben wurde. Das Drama ist im Gegensatz zu Romanen nicht in Kapitel unterteilt, sondern in Auftritte und Aufzüge. Ein Auftritt ist ein kleiner Handlungsausschnitt innerhalb eines kleinen Zeitfensters bei gleichbleibender Lokalität. Mehrere Auftritte sind in einem Aufzug zusammengefasst. Insgesamt fünf Aufzüge findet man in diesem Drama. In dieser Struktur ist auch der Bestimmungszweck erkennbar: als Theaterstück. Lessing bediente sich bei der Verfassung seines Dramas des Blankverses (2), welcher in England seinen Ursprung hatte. Erst durch ihn wurde dieser auch in Deutschland populär und konnte sich auch hierzulande durchsetzen.
Nathan der Weise wurde 1779 veröffentlicht und am 14. April 1783 in Berlin uraufgeführt. Der Schwerpunkt dieses Dramas bildet der Humanismus und der Toleranzgedanke der Aufklärung. Als Kernaussage ist die Ringparabel im dritten Aufzug zu bewerten. Die Geschichte der Ringparabel findet sich aber bereits bei Giovanni Boccaccios Werk "Decamerone" und lässt sich bis ins Jahr 1100 zurückverfolgen.

(1) Bezeichnet in der Literaturwissenschaft eine Art des Dramas, in dessen Handlung eine philosophische Idee in Form einer Weltanschauung herausgearbeitet wird. (Quelle Wikipedia)
(2) Der Blankvers ist ein reimloser fünfhebiger jambischer Vers, der im männlichen Vers aus zehn, im weiblichen aus elf silben besteht. (Quelle Wikipedia)


2. Gotthold Ephraim Lessing

1729 - 1781


2.1 Biografie

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Gotthold Ephraim Lessing wurde am 22.01.1729 in Sachsen geboren. Als Kind einer lutheranischen Pfarreresfamilie wurde er zunächst privat von seinem Vater unterrichtet. Sein Abitur legte er dann auf der Eliteschule St. Afra in Meißen ab. 1746 begann er in Leipzig Theologie zu studieren. In dieser Zeit regte sich sein Interesse an der Literatur und Dichtkunst. Doch musste er Leipzig noch vor der Beendigung seines Studiums verlassen, weil er die Bürgschaft für verschuldete Schauspieler übernahm. Er brach sein Theologiestudium ab, floh nach Berlin und begann dort Medizin zu studieren. Nachdem er dort sein Studium mit der Doktorwürde abschloss, wurde er freier Schriftsteller. In dieser Stadt fand er auch interessante Gesprächspartner wie Voltaire und den jüdischen Moralphilosophen Moses Menelsohn.

Im siebenjährigen Krieg diente er als Sekretär bei der preußischen Armee. Er genoss das Soldatenleben. In dieser Zeit schrieb er auch das Lustspiel "Minna von Barnhelm", wie einige Fabeln in Versen.
Lessing war immer auf der Suche nach fortschrittlich gesinnten Menschen und begab sich daraufhin 1767 als Dramaturg nach Hamburg, an das dort gegründete Nationaltheater. Hier schrieb er die "Hamburgische Dramaturgie".
In dem von ihm anonym veröffentlichten "Fragment eines Ungenannten" waren bereits antichristliche Tendenzen erkennbar. Die Kirche kritisierte Lessings Schriftstück mit voller Härte. Allen voran der Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goetze. Der Streit hatte zur Folge, dass gegen Lessing ein Teilpublikationsverbot verhängt wurde. Ér wehrte sich mit dem Drama "Nathan der Weise", indem seine Botschaft verlautete: "Alle positiven und geoffenbarten Religionen sind folglich gleich wahr und gleich falsch."
Seine letzten Lebensjahre von 1770 bis 1781 verbrachte der Schriftsteller fast blind und vereinsamt als Bibliothekar in der weltberühmten Bibliothek des Herzogs von Braunschweig in Wolfenbüttel. In seinem letzten Werk "Die Erziehung des Menschengeschlechts" sieht er die Menschheit auf dem besten Weg zur größeren Vollkommenheit. Dafür ist nach Lessings Auffassung das sittliche Verhalten des Individuums maßgeblich.
1776 heiratete er E. König, die aber bereits zwei Jahre später bei der Geburt des gemeinsamen Sohnes verstarb. Auch das Kind wurde nur einen Tag alt.
Drei Jahre später, im Alter von 52 Jahren, erlitt Lessing einen Schlaganfall und verstarb daran.

Lessing hoffte auf eine neue Blütezeit der deutschen Dichtung. Diese Blüte trat mit Goethe und Schiller dann schließlich auch ein.


2.2 Persönlichkeit


Lessing war stets ein kritisch denkender Mensch und verschrieb sich für den Kampf um die persönliche Freiheit. Dieses Denken wurde vor allem durch die Aufklärung gefördert. In der Funktion als Schriftsteller führte er den Menschen die Willkürherrschaft der Fürsten und die dunklen Seiten des Christentums vor Augen. Nach seiner Meinung besteht der Wert der Religionen in dem Bestreben nach Wahrheit und tätiger Menschenliebe. Doch er erkennt auch den wahren Kern in den drei monotheistischen Weltreligionen (Judentum, Islam, Christentum): nämlich die Aufforderung nur im Interesse des Guten zu handeln, sowie den blassen Glauben an einen Weltschöpfer. Auf alles andere wie z:B. die Erlösung durch Jesus, könne und solle man verzichten.

Über seine Funktion als Schriftsteller hinaus war er einer der bedeutensten Vorkämpfer für Menschenrechte, Freiheit und die Religionsfreiheit in Deutschland. Wir müssen uns bei Lessing bedanken, der dabei geholfen hat die Freiheit zu erkämpfen, die wir heute genießen.


3. Nathan der Weise

Ideendrama in fünf Aufzügen


3.1 Handelnde Personenexternal image 02895475-00-00.jpg


Nathan:
  • Hauptfigur
  • reicher Jude aus Jerusalem
  • scharfsinnig, gütig, großmütig
  • tolerant gegenüber anderen Religionen

Recha:
  • Adoptivtochter Nathans
  • ihre Mutter starb bei ihrer Geburt
  • Vater ebenfalls tot
  • Geburtsname: Blanda von Filnek
  • muslimischer Vater, christliche Mutter
  • sieht Nathan als ihren wahren Vater an
  • wurde jüdisch aufezogen

Daja:
  • Rechas Gesellschafterin
  • überzeugte Christin

Sultan Saladin:
  • Herrscher in Jerusalem
  • muslimischen Glaubens
  • führt Krieg gegen die Christen

Sittha:
  • jüngere Schwester Saladins
  • Muslimin
  • spielt Schach mit Saladin
  • realistisch, klug, loyal
  • heute würde man sie als emanzipiert bezeichnen

Der Tempelherr:
  • wahrer Name: Leu von Filnek
  • Christ und Mitglied des Templerordens
  • hasst das Volk der Juden
  • Recha ist seine Halbschwester

Der Bettelmönch Al-Hafi:
  • Freund Nathans
  • Moslem
  • Geldeintreiber und Schatzmeister Saladins
  • Widerspruch gegenüber seinem Gelübte und seiner amtlichen Pflicht
  • hofft aber durch sein Amt Armut und Not zu bekämpfen

Der Klosterbruder:
  • Christ
  • Botschafter des Patriarchen
  • brachte das Waisenkind Blanda von Filnek (Recha) zu Nathan
  • verabscheut die Machenschaften des Patriarchen

Der Patriarch:
  • Christ
  • politischer Rivale Saladins
  • fanatisch und intolerant
  • glaubt an seine eigene Unfehlbarkeit
  • steht für den unaufgeklärten Menschen



3.2 Schaubild der Personenkonstellation

(screen shot - Schaubild-Quelle: kw. uni-paderborn.de)

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3.3 Inhaltsangabe


Seit Jahren tobt der dritte Kreuzzug über der Stadt Jerusalem. Doch nun zeichnet sich ein Waffenstillstand zwischen den Tempelrittern auf Seiten der Christen und den Streitkräften des Sultan Saladin ab. Doch die Kriegskosten explodieren. Saladin steht kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.
Währendessen erfährt der aus Babylon zurückgekehrte Nathan, dass sein Haus während seiner Abwesenheit in Flammen stand, und dass seine Adoptivtochter Recha auf vermeidlich wundersame Art gerettet wurde, von einem Tempelherrn. Szene.pngNathan stellt Nachforschungen an und findet heraus, dass der Tempelherr zum Tode verurteilt wurde, aber von Sultan Saladin als einzigen von zwanzig Gefangenen begnadigt wurde, da er seinem Bruder Assad ähnlich sieht. Die christliche Daja sieht in Rechas Rettung ein Wunder des Himmels. Doch Nathan bewertet die Rettung als gute Tat eines edelen Mannes. Um den Tempelherrn zu danken, schickt Nathan Daja vor, ihn einzuladen. Der Tempelherr lehnt es allerdings ab. Er möchte nicht mit Juden in Kontakt treten. Nathan aber gibt nicht auf und fängt den Tempelherrn auf der Straße ab. Dieser verhält sich Nathan gegenüber zunächst abweisend, ist aber von dessen vorurteilsfreien Art beeindruckt.

In der Zwischenzeit möchte Sultan Saladin Frieden zwischen Christen und Muslimen schaffen. Er denkt darüber nach seinen Gegnern Geld anzubieten, damit diese in den Frieden einwilligen. Aber seine Kassen sind leer. Auf der Suche nach einem Kreditgeber läßt er Nathan, den reichen Juden, zu sich rufen. Während des Gesprächs gibt Saladin an, Nathans Weisheit prüfen zu wollen. Der Sultan stellt ihm die Frage, welche Religion Nathan für die "Wahre" ansehe. Dieser sieht in der Frage eine Falle und antwortet mit einer alten Geschichte, der Ringparabel:

In dieser Geschichte geht es um eine Familie, in deren Tradition ein Ring von Generation zu Generation weiter vererbt wurde. Nun aber tritt der Fall ein, dass der Vater drei Söhne hat und er möchte keinen seiner Söhne benachteiligen. Also lässt er zwei identische Duplikate anfertigen, so dass nach seinem Ableben jeder Sohn den identischen Ring erben soll. Nach dem Tod des Vaters streiten die Söhne darüber, welcher der drei Ringe der echte ist. Sie ziehen vor Gericht um dieses von einem Richter klären zu lassen. Doch dieser vermag kein Urteil darüber zu sprechen und rät, jeder der Söhne solle seinen geerbten Ring als den echten ansehen, da die Ringe die Liebe des Vaters wiederspiegeln.

Der Sultan versteht Nathans Botschaft und tief beeindruckt bietet er ihm darufhin seine Freundschaft an. Besonder erfreut es ihn, dass er von Nathan ein Darlehensangebot erhält, obwohl er nicht danach gefragt hatte.

Während Nathan bei Sultan Saladin weilt, besucht der Tempelherr nun doch Nathans Haus und trifft dort auf Recha und Daja. Er bemerkt wie er sich in Recha verliebt, doch er gesteht sich seine Liebe zu einer jüdisch aufgezogenen Frau nicht ein und zieht sich schnell zurück.
Jedoch kann er seine Gefühle zu Recha nicht unterdrücken und bittet um ihre Hand. Nathan reagiert verhalten auf die Heiratspläne. Durch Daja erfährt der Tempelherr, dass Recha adoptiert wurde und ihre leiblichen Eltern Christen waren. Der Tempelherr ist entsetzt bei der Vorstellung, dass ein christliches Kind von einem Juden erzogen wurde. So wendet er sich an den Patriarchen von Jerusalemum um hypothetisch zu klären, was in einem solchen Fall zu tuen sei. Doch er erwähnt Nathan nicht namentlich. Auch der Patriarch kann die Vorstellung nicht ertragen, dass ein Christenkind von einem Juden erzogen wurde. Er schickt den Klosterbruder um nach dem Juden zu suchen, da er ihn auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen will. Der Klosterbruder, der Recha damals an Nathan übergeben hatte, ist im Besitz eines Abstammungsbuches, welches nach dem Tod von Rechas Eltern bei ihr war. Er übergibt dieses Büchlein an Nathan. Daraufhin treffen sich alle Beteiligten im Palast des Sultans und Nathan bringt die wahre Identiät Rechas und des Tempelherrn ans Licht. Das Abstammungsverzeichnis gibt preis, dass es sich bei Recha und dem Tempelherrn um Halbgeschwister handelt, da beide die Kinder Assads, eines Moslems, sind. Desweiteren handelt es sich bei Assad um den Bruder von Sultan Saladin und Sittha, der vor vielen Jahren von einem Ausritt nicht heimkehrte.
Obwohl sie nicht verwandt und verschiedenen Glaubens sind, erkennt Recha Nathan als ihren wahren Vater an.
Somit wird deutlich, dass ein christlicher Tempelherr und die Adoptivtochter eines Juden, Neffe und Nichte eines muslimischen Herrschers sind. Obwohl alle verschiedenen Religionen angehören, so sind sie doch alle Mitglieder der gleichen Familie.


4. Die Ringparabel


Link zu youtube Ringparabel - Eröffnunginszenierung des Hans Otto Theaters in Potsdam im September 2006

Das Wort Parabel stammt vom griechischen Wort parabole, was so viel heißt wie die Vergleichung, das Gleichnis.
Die Parabel ist eine lehrhafte Bildgeschichte, die aber im Gegensatz zum verwandten Gleichnis keine direkte Verknüpfung mit dem zu erörternden Sachverhalt hat. Eine Parabel ist eine vom Gegenstand abgelöste selbstständige Erzählung und kommt häufig in der buddhistischen und hebräischen Literatur vor.

So auch im Drama Nathan der Weise, wo Nathan auf die Frage des Sultan nach der wahren Religion, mit der Ringparabel antwortet. Diese Parabel ist als Kernaussage des Dramas zu betrachten.
Die drei Ringe stehen für die monotheistischen Weltreligionen Judentum, Islam und Christentum. Ihre Träger, die drei Söhne, sind somit als Vertreter der drei Weltreligionen zu bewerten. Sie streiten darüber, welcher Ring der echte ist, also welche Religion als die Wahre anzusehen ist. Da die Ringe jedoch identisch sind, vermag niemand zu bewerten, welcher der urprüngliche ist. Soll heißen, dass durch die Gleichheit der Ringe auch die verschiedenen Religionen als gleichwertig zu betrachten sind - alle sind gleich wahr oder gleich falsch.
Ein weiterer Interpretationsansatz beschäftigt sich mit dem Vater der beiden. Er symbolisiert Gott, wobei er durch den Duplikatsauftrag, die verschiedenen Religionen selbst erschaffen hat. Also sind die verschiedenen Religionen gottgewollt bzw. sogar gotterschaffen. Es geht also nicht darum welcher Ring der tatsächliche ist bzw. welche Religion die Wahre ist. Nicht die Religion selbst spiegelt die Wahrheit wieder, sondern der Glaube daran. Also kann jede Religion an die man glaubt als die Wahre bezeichnet werden.


5. Zeitgeschichtlicher Hintergrund


Das Europa des 17. Jahrhunderts wurde geprägt durch den Absolutismus. Ein alleiniger Herrscher an der Spitze des Staates, ausgestattet mit aller politischer Macht. Der Absolutismus stand für eine Gesellschaft, wo jeder in einen bestimmten Stand hineingeboren wurde. Die damalige Sozialstruktur kann man sich als Pyramide vorstellen. Im ersten Stand die Geistlichkeit und der Klerus, im zweiten der Adel und im dritten Stand die Masse der Bevölkerung, Bürger und Bauern. Während der Adel Privilegien, wie Steuerfreiheit und Grundherrschaft genoss, hatten die Bauern die größte Last zu tragen: Steuern für den Staat, Abgaben an den Grundherrn auf dessen Land sie arbeiteten. Das ständische Gesellschaftsmodell wurde nie grundsätzlich in Frage gestellt und die Kirche predigte der meist ländlichen Bevölkerung Ergebenheit in ihr angeblich gottgewolltes Schicksal. Die Kirche, eng verbunden mit Königen und Fürsten, hielt zäh an dem Ständemodell fest. Als Martin Luther über die "Freiheit des Christenmenschen" schrieb, schränkte er diese ausschließlich auf die Beziehung zu Gott ein. Im irdischen Leben habe jeder ohne aufzubegehren an seinem Platz in der ständischen Ordnung zu verharren.

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts beagannen nun Teile des Bürgertums, v. a. Akademiker und einige Adelige, dieses Zustände zu kritisieren. Sie standen für das Gebot des vernünftigen Denkens und der Verstand wurde zum Maßstab aller Dinge gemacht. Ihre neuen Ideen lauteten Freiheit statt Absolutismus, Gleichheit statt Ständeordnung, Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnis statt Vorurteil und Aberglaube sowie Toleranz statt Dogmatismus. Der Mensch solle voller Optimismus seinen Lebenssinn im Diesseits sehen, er solle Gutes tun und seine Tugenden entfalten aus Einsicht in deren Richtigkeit und Nützlichkeit. Auch die Fortschritte in der Wissenschaft wirkten wie die Erhellung des Dunkels der Unwissenheit und gingen Hand in Hand mit der geistigen Bewegung. Die Aufklärung hatte ihren Ausgang von der Philosophie und erfasste fast ganz Europa. Die Philosophen der Aufklärung läuteten den Beginn der Moderne ein. Der wichtigste in Deutschland war Emanuel Kant. In seinem Werk "Was ist Aufklärung?" beschreibt er die Ideen und Ideale dieser Zeit.
Hier ein Auszug:

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen."
Auch die Dichtung wurde stark davon beeinflusst. Rousseau, Voltaire und andere förderten die Bildung der Erkenntnis, dass alle Menschen gleiche Rechte auf Freiheit haben. Diesen Anspruch erhob die Französische Revokution von 1789 zur politischen Forderung.


6. Stellungnahme


Nathan der Weise ist als Aufruf zu mehr Toleranz und Duldung der verschiedenen Religionen zu betrachten. Lessing wollte mit seinem Werk seine Leser zu Menschlichkeit und tolerantem Denken erziehen. Er wollte ein menschliches Zusammenleben schaffen, in der die Glaubenszugehörigkeit keine Rolle spielt.

Schon mit der Wahl der Hauptfigur - Nathan ein vorurteilsfreier, scharfsinniger Jude - brach er mit der bisherigen Darstellung von Juden, die zuvor meist als "Witzfiguren" herhalten mussten. Im Gegenteil, Nathan verkörpert das Idealbild der Aufklärung, weil er nach dessen Vorstellungen lebt und handelt. Durch sein Verhalten verkörpert er Humanität und Akzeptanz von Personen verschiedener Glaubensrichtungen. Nathan zieht Recha wie seine eigne Tochter auf, obwohl sie aus christlicher Herkunft stammt. Er siedelt somit die Menschenliebe höher an als die verbindlichen Glaubenssätze und handelt vernünftig und autonom. Sultan Saladin sowie der Tempelherr erfahren durch Nathan eine gewisse Aufklärung. Ist der Tempelherr zunächst noch antisemitisch gesinnt, ändert sich das im Laufe des Dramas. Durch Nathans Verhalten wird er mehr und mehr zum Nachdenken ermutigt und schließlich werden sie sogar Freunde. Sultan Saldins Aufklärung ist im Wesentlichen durch die Ringparabel bestimmt, wovon er so beeindruckt war, dass auch er Nathan die Freundschaft anbot. Besonders zu erwähnen ist hier auch die Aufklärung der Familienverhältnisse. Obwohl sie verschiedenen Religionen angehören, sind sie doch Mitglied ein und derselben Familie.

Ich denke, Nathan der Weise hat auch in der heutigen Zeit nichts an Aktualität verloren. Immer noch ist der Antisemitismus weit verbreitet und religiös motivierte Auseinandersetzungen sind auch heute noch zahlreich zu finden. Auch Intoleranz und Diskriminierung gegenüber anderen Kulturen und Hautfarbe finden sich in unserer modernen Gesellschaft wieder. So lange Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens oder ihrer Kultur diskriminiert oder sogar im schlimmsten Fall zu Tode gehetzt werden, kann Nathan der Weise kein "alter, verstaubter Schinken" sein.



Quellenangabe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nathan_der_Weise
www.workpage.de/lessauf.php
http://www.pohlw.de/literatur/epochen/aufklaer.htm
http://pub.ab-one.de/deutsch/begriffe/textarten/parabel.htm
http://www.literaturwelt.com/epochen/aufklaerung.html
http://kw.uni-paderborn.de/fileadmin/kw/institute/germanistik/germanistik/Personal/Hofmann/Dramenanalyse_Nathan.pdf
http://www.judentum-projekt.de/lessingweb/inhaltsangabe.htm...
Kindlers Literaturlexikon:"Nathan der Weise"
Knaurs Jugendlexikon




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