Reigen. Zehn Dialoge von Arthur Schnitzler
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Inhaltsverzeichnis

  1. Der Autor
    1.1. Biographie
    1.2. Bibliographie
    1.3. Das Leben des Autors im Zusammenhang mit dem Reigen
  2. Das Werk
    2.1. Die Hauptfiguren
    2.2. Inhaltsangabe
    2.3. Reigen, ein Skandal!?
  3. Literarhistorische Epoche
  4. Stellungnahme / Eigene Meinung
  5. Quellen



1. Der Autor, Arthur Schnitzler
1.1. Biographie des Arthur Schnitzler Arthur_schnitzler.jpg

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1862 als erstes von vier Kindern des Medizinprofessors Johann Schnitzler (1835 - 1893) in Wien geboren. Anders als der Vater, der sich als Kehlkopfspezialist selbst einen Namen gemacht hatte, stammte die Mutter Louise (1838 - 1911) aus einer angesehenen und wohlhabenden Familie. Schon als Gymnasiast versuchte Arthur Schnitzler sich mit Bühnenstücken. Nach dem Medizinstudium und der Promotion am 30. Mai 1885 arbeitete er bis 1893 als Assistenzarzt in zwei verschiedenen Krankenhäusern in Wien. Nach dem Tod seines Vaters eröffnete Arthur Schnitzler 1893 selbst eine Praxis, widmete sich dann aber – ermutigt von seiner Geliebten in den Jahren 1893 bis 1895, der Schauspielerin Adele Sandrock (1864 - 1937) – zunehmend seinen literarischen Werken.
1897 vollendete er das Manuskript "Reigen. Zehn Dialoge", aber die Zensur untersagte eine Aufführung des Stücks. (Erst am 23. Dezember 1920 fand im Kleinen Schauspielhaus in Berlin die Uraufführung statt.) Unter dem Titel "Leutnant Gustl" veröffentlichte Arthur Schnitzler das erste Werk in der deutschen Literaturgeschichte, das nur aus einem inneren Monolog besteht.
1903 vermählten sich Arthur Schnitzler und die Schauspielerin Olga Gussmann (1882 – 1970), die zu diesem Zeitpunkt bereits einen einjährigen Sohn mit ihm hatte. Die Ehe scheiterte und wurde 1921 geschieden. Danach und vor allem nach dem Suizid seiner Tochter Lili im Jahr 1928 vereinsamte Arthur Schnitzler.
Am 21. Oktober 1931 erlag Arthur Schnitzler in Wien einer Gehirnblutung.



1.2. Bibliographie des Arthur Schnitzler

  • Anatol (Einakterzyklus, 1893)
  • Sterben (Novelle, 1895)
  • Liebelei (Schauspiel, 1895)
  • Freiwild (Schauspiel, 1896)
  • Paracelsus (Einakter, 1899)
  • Der grüne Kakadu (Einakter, 1899)
  • Reigen. Zehn Dialoge (Komödie, 1900)
  • Leutnant Gustl (Novelle, 1901)
  • Der einsame Weg (Schauspiel, 1904)
  • Der Weg ins Freie (Roman, 1908)
  • Komtesse Mizzi oder Der Familientag (Komödie, 1909)
  • Der junge Medardus (Schauspiel, 1910)
  • Das weite Land (Tragikomödie, 1911)
  • Professor Bernhardi (Komödie, 1912)
  • Frau Beate und ihr Sohn (Novelle, 1913)
  • Casanovas Heimfahrt (Novelle, 1918)
  • Die Schwestern oder Casanova in Spa (Lustspiel, 1919)
  • Komödie der Verführung (Schauspiel, 1924)
  • Fräulein Else (Erzählung, 1924)
  • Traumnovelle (Novelle, 1926)
  • Spiel im Morgengrauen (Erzählung, 1927)
  • Therese. Chronik eines Frauenlebens (Roman, 1928)
  • Flucht in die Finsternis (Novelle, 1931)
  • Jugend in Wien (Autobiografie, 1968)




1.3. Das Leben des Autors im Zusammenhang mit dem Reigen

Arthur Schnitzler war mit Sicherheit kein Kind von Traurigkeit. Über mangelnden sexuellen Kontakt konnte er sich mit Bestimmtheit nicht beschweren. Ganz im Gegenteil – denn Schnitzler hatte schon Probleme, seine ganzen Affären so zu koordinieren, dass keine der “Glücklichen” Verdacht über sein Treiben schöpfte.
[...] 1Nichts in meinem Leben damals war so wichtig, so zeitaufwendig, so strapaziös und so vielfältig, wie die Einfädelung, Planung, Koordination und Durchführung meiner weitverzweigten sexuellen Aktivitäten.”[…]
Also dürfte Schnitzler nicht nur die pure Lust am Sex empfunden haben. Nein, das wäre zu einfach für einen Menschen mit dieser Intelligenz. Weniger die Lust stand im Vordergrund – eher das Spiel und seine Varianten. Denn durch den Erfolg konnte er sich in seiner Person bestätigt fühlen.

Alles in allem kann man sagen, dass Schnitzlers Leben durchgehend von der Begierde nach weiblicher Nähe beherrscht wurde und daher verwundert es auch nicht, dass gerade dieser Mann den Reigen geschrieben hat.

1 Zitat: Auszug aus Schnitzlers Tagebuch




2. Das Werk, Reigen. Zehn Dialoge (Komödie, 1900)
2.1. Die Hauptfiguren

  • Die Dirne
  • Der Soldat
  • Das Stubenmädchen
  • Der junge Herr
  • Die junge Frau
  • Der Ehegatte
  • Das süße Mädel
  • Der Dichter
  • Die Schauspielerin
  • Der Graf



2.3. Inhaltsangabe


1. Szene: Die Dirne und der Soldat
Die Dirne bietet dem Soldaten unentgeldlich ihre Dienste an.
Da es der Soldat eilig hat, vollziehen sie den Geschlechtsakt gleich am Donauufer.
Als die Dirne daraufhin etwas Geld verlangt, verlässt der Soldat sie spöttisch.
- Liebe als Tribbefriedigung


2. Szene: Der Soldat und das Stubenmädchen
Soldat macht Stubenmädchen an und bedrängt sie mit Liebesworten.
Er überredet sie zum Geschlechtsakt und speist sie hinterher, ohne seinen Namen zu nennen, mit einem Bier ab.
- Liebe als Heuchelei mit dem Ziel eines Geschlechtsakts


3. Szene: Das Stubenmädchen und der junge Herr
Versuch der Verführung einer Abhängigen durch den höhergestellten jungen Herrn.
Aus Angst vor Entdeckung – es klingelt an der Tür – kommt es nicht zur Verführung.
- Liebe als Machtmissbrauch


4. Szene: Der junge Herr und die junge Frau
Der junge Herr trifft sich daraufhin mit einer verheirateten Frau, die er durch romantische Briefe verführt hat.
Er ist stolz darauf, sie mit seinen Worten betört zu haben.
- Liebe im romantischen Sinn, wobei die Liebesschwüre nur der Verführung und der Befriedigung eines Jagdtriebes dienen.


5. Szene: Die junge Frau und der Ehemann
Einblick in die Moralität der bürgerlichen Liebe, die keinerlei erotische Ausschweifungen zulässt.
Die Frau sucht Liebe und Treue, der Mann beansprucht aber für sich Freiheit und Abwechslung,
gibt aber vor, dem Wunsche der Frau zu entsprechen.
- Liebe als Heuchelei, Liebe als Besitzstand –bürgerliche Doppelmoral


6. Szene: Der Gatte und das süße Mädel
Der Ehemann verführt eine junge Frau und macht sie durch Alkohol willig und degradiert sie,
nachdem er mit ihr geschlafen hat, zur Geliebten.
Sie jedoch hält ihn für ihre große Liebe, da sie nicht weiß, dass er verheiratet ist.
- Liebe als Heuchelei und Ausnützung der Gefühle eines unreiferen Partners


7. Szene: Das süße Mädel und der Dichter
Der Dichter verführt das süße Mädchen, die sich eher zaudernd auf ihn einlässt,
um ihr dann von seinen Werken vorzuschwärmen.
Er missbraucht sie zur persönlichen Inspiration und zur Pflege seiner Eitelkeit, eine großer Dichter zu sein.
- Liebe als Pflege der Selbstgefälligkeit.


8. Szene: Der Dichter und die Schauspielerin
Schauspielerin liebt den Dichter, um ihre Kunst gegenüber der des Dichters hervorzuheben.
- Liebe als Pflege der Eigenliebe aus weiblicher Sicht



9. Szene: die Schauspielerin und der Graf
Graf und Schauspielerin gehen nach Worten der gegenseitigen Verehrung ins Bett.
- Liebe dient der Pflege der jeweiligen Eitelkeit, wirkt aber auch als Akt der Verzweiflung zweier einsamer Menschen.


10. Szene: Der Graf und die Dirne
Graf landet volltrunken bei der Dirne, weiß gar nicht, ob er mit ihr geschlafen hat,
bezahlt sie aber und fragt, wieso sie eine Hure ist.
- Liebe als Gedankenlosigkeit und Ausdruck animalischer Wärme.


Durch die Darstellung von zehn Varianten von erotischen Gefühlen oder Liebesgefühlen stellt der Dichter in Frage, was Liebe wirklich ist.




2.3. Reigen, ein Skandal!?

Der so offene und leichte Umgang mit dem Geschlechtsakt im Reigen, wurde bei Erscheinung am Anfang des 20 Jahrhunderts stark kritisert und gar als Skandalös bezeichnet. Die Buchausgabe wurde von der Berliner Staatsanwaltschaft, am 16. März 1904 im Deutschen Reich verboten. Doch am 23. Dezember 1920 brachte Gertrude Eysoldt das Stück "Reigen" ungeachtet des nachmittags zugestellten Aufführungsverbots im Kleinen Schauspielhaus in Berlin erstmals vollständig auf die Bühne. Weitere Aufführungen folgten, wobei es am 16. Februar 1921 in Wien und am 22. Februar 1921 in Berlin zu Tumulten kam. Im September klagte die Berliner Staatsanwaltschaft die Direktion des Kleinen Schauspielhauses, den Regisseur und die Darsteller wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses an. Das Gerichtsverfahren endete am 18. November 1921 allerdings mit einem Freispruch. In der Urteilsbegründung heißt es treffend:

"Die Sprache des Buches ist fein und leicht. Die Charaktere werden mit wenigen scharfen Strichen vorzüglich gezeichnet. Die dramatischen Verwicklungen sind mit psychologischer Feinheit entwickelt. Die Handlung wird in jedem Bilde bis unmittelbar vor den Beischlaf durchgeführt, der in dem Buche durch Gedankenstriche angedeutet wird. Darauf setzt die Handlung wieder ein, die die Wirkung des geschlechtlichen Rausches skizziert. Die geschlechtliche Beiwohnung selbst wird nicht beschrieben. Sie tritt vollkommen zurück, sie ist dem Dichter nur Mittel zum Zweck."

Wegen der Polemik gegen "Reigen" bat Arthur Schnitzler 1922 den S. Fischer Verlag, der die Rechte besaß, keine weiteren Theateraufführungen des Stücks mehr zu genehmigen. Dieses Aufführungsverbot wurde von Schnitzlers Sohn Heinrich über den Tod des Autors hinaus verlängert. Erst seit 1. Januar 1982 darf "Reigen" wieder aufgeführt werden.




3. Literarhistorische Epoche

Das Stück "Reigen. Zehn Dialoge" von Arthur Schnitzler fällt in die literarhistorische Epoche des Impressionissmus (1883 - 1923).
Das Programm des Impressionissmus liegt Hauptsächlich in der Ablehnung des Naturalismus und dem Wunsch nach Entfaltungsmöglichkeiten,
welches in der Blütezeit des weltweiten Imperialismus, dem erster Weltkrieg (1914-18) sowie der Abdankung Kaiser Wilhelm II seine Inspiration findet. Das Weltbild und Lebensgefühl des Impressionismus: sehr unpolitisch, Darstellung subjektiver, vorübergehender Eindrücke, Wiedergabe von Stimmungen. Bemühung um das treffende Wort, Beiordnung der Aussagen, u.a. durch Synästhesie und Oxymoron. Die Themen sind Liebe und Tod sowie Kunst und Leben.

Der Impressionissmus wird oft als zu "unpräzise" angeshen und von Verfechtern als die subjektive Wiedergabe von Momenteindrücken bezeichnet, die gegen Ende des 19 Jahrhunderts, neben der Malerei und Musik, auch die Literatur erfasste.



4. Stellungnahme / Eigene Meinung

Meiner Meinung nach ist "Reigen. Zehn Dialoge" ein gelungenes Theaterstück, dass mir während des Lesens das ein ums andere mal ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Es ist für mich allerdings schon verständlich, dass die Menschen, vor allem die "gehobenere Gesellschaft" des jungen 20 Jahrhunderts, das Stück als Skandalös ansehen. Da meines Erachtens der Umgang mit Sexualität in der Öffentlichkeit bzw. auf der Bühne eines Theaters zu dieser Zeit ungern gesehen wurde. Ein solches Stück aufzuführen kam, wie schon in 2.3. beschrieben, für die Staatsanwaltschaft nicht in Frage. Nur durch das hinwegsetzte über ein Auffürverbot, einer weniger Regisseure wurde das Stück bekannt.
Ich finde außerdem, dass Arthur Schnitzlers Werk auch zum Nachdenken anregt, was ist Liebe wirklich? In wie weit ist der Geschlechtsakt ein Impuls der uns dazu bringt jemanden zu "lieben" bzw. durch Gier beeinflusst z.B. einem Partner untreu zu sein, etc.! Alles in Allem eine gelungene Komödie die offen und direkt mit dem Sex umgeht, er aber dennoch nur Nebensache bleibt, da er nie direkt beschrieben wird sondern nur das "Vorher" und "Nachher".


Der Theaterkritiker Georg Hensel bezeichnet Schnitzlers Dialoge als "zehn Triumphe des Sexus, vor dem es keine Standesunterschiede gibt: ein Ringelspiel der Amouren, die auch ihre Köstlichkeiten haben, ein Karussell der flüchtigen Umarmungen, ein Tanz mit den immerwährenden drei Schritten: Gier, Genuss und Kälte – ein Totentanz des Eros."




5. Quellen

- Bildquellen:
http://www.theaterrampe.de/gallery2/g2data/albums/Stuecke/Arthur_schnitzler.jpg
http://images.buch.de/images-adb/91/d0/91d054a1-5b35-4e08-8cf3-b296c8d365c4.jpg

- Textquellen:
http://www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/17/672.pdf
http://www.wikipedia.com
http://www.dieterwunderlich.de/Schnitzler_reigen.htm#cont
http://www.studentshelp.de/download.php?id=2403&typ=pdf


Peter Lehmann